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Waibstadt: Jüdischer Friedhof
Der im Mühlbergwald gelegene jüdische Friedhof in Waibstadt zählt zu den herausragenden Kulturdenkmälern des Kraichgaus. Es handelt sich dabei um den zweitgrößten jüdischen Friedhof Baden-Württembergs. Die 2.556 erhaltenen Grabsteine verteilen sich über eine Fläche von 2,33 Hektar. Die erste Bestattung fand zwischen 1648 und 1690 statt. Genutzt wurde die Begräbnisstätte bis zum Jahr 1940.
Verbandsfriedhof für 30 jüdische Gemeinden
Verbandsfriedhof für etwa 30 Gemeinden
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Die Geschichte der Juden Waibstadts reicht zwar bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück, doch blieb die Gemeinde immer vergleichsweise klein. Ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte sie im Jahr 1884 mit 67 Personen. Für eine einzige ländliche Gemeinde von der Größe Waibstadts erweist sich daher der dortige jüdische Friedhof als viel zu groß. Stattdessen hatten sich zwischen den Jahren 1648 und 1690 mehrere jüdische Gemeinden zusammengeschlossen, um zur Bestattung ihrer Verstorbenen ein Grundstück im Mühlbergwald zu pachten. Aus dem letztgenannten Jahr stammt der älteste erhaltene Grabstein. Bis zum Jahr 1860 nutzten etwa 30 jüdische Gemeinden den Friedhof als letzte Ruhestätte für ihre Toten.
Begräbnisverein Waibstadt
Durch die veränderte Rechtslage im Rahmen der im 19. Jahrhundert erfolgten bürgerlichen Gleichstellung war es der jüdischen Bevölkerung möglich, Grundstücke zu erwerben. Infolgedessen kauften im Jahr 1870 20 jüdische Gemeinden das zuvor lediglich gepachtete Grundstück im Mühlbergwald und schlossen sich zum Begräbnisverein Waibstadt zusammen. Gleichzeitig wurde ein angrenzendes Grundstück zur Erweiterung des Friedhofs erworben. Im dortigen neuen Bereich des Friedhofs fand 1940 das letzte Begräbnis statt.
Der Friedhof während der nationalsozialistischen Herrschaft
Der jüngste Grabstein stammt aus dem Jahr 1940
Der jüngste Grabstein stammt aus dem Jahr 1940 >>> Großansicht >>>
Anlässlich der Reichspogromnacht kam es zu Zerstörungen und Verwüstungen auf dem jüdischen Friedhof. Unter Führung des damaligen Bürgermeisters von Waibstadt, einem glühenden Nationalsozialisten, wurden zahlreiche Grabsteine umgeworfen und das Friedhofshaus beschädigt. Dieselben Gewalttäter waren für die Schäden am benachbarten Mausoleum verantwortlich.
Nur knapp entging der jüdische Friedhof der vollständigen Zerstörung. Die Stadt Waibstadt beabsichtigte, das Gelände zu einer Reichsmark pro Ar zu erwerben, um es aufzuforsten. Ein Geschäftsmann aus Waibstadt war ebenfalls am Kauf interessiert, um ein Obstbaumgrundstück anzulegen. Diese unterschiedlichen Interessenten erwiesen sich als Glücksfall für den jüdischen Friedhof, da eine Entscheidung erst so spät getroffen wurde, dass sie sich während des Krieges nicht mehr umsetzen ließ.
Heutiger Zustand des Friedhofs
Unmittelbar nach dem Krieg ordnete die Besatzungsmacht die Behebung der Schäden am Friedhof an. In den Jahren 1985 und 1986 fand seitens der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg eine fotographische Erfassung der Grabsteine statt. Dabei wurden 2.556 Grabsteine gezählt. Daran anschließend wurde in den Jahren 1987-1993 eine umfassende Instandsetzung des Friedhofs seitens der Stadt Waibstadt - mit Zuschüssen des Landes Baden-Württemberg - vorgenommen. Heutzutage legt der jüdische Friedhof ein beeindruckendes Zeugnis ab von der einst blühenden jüdischen Kultur im Kraichgau.
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